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Ein alter Hut |
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Ich kann mich noch genau erinnern, wie alles angefangen hat. Ich lag als Ladenhüter in einem schicken Hutgeschäft zwischen vielen modischen Herren- und Damenhüten. Sie machten sich über mich lustig, weil sie bei den Kunden sehr beliebt waren und nie lange im Geschäft liegen blieben. Nur mich wollte keiner kaufen. Man übersah mich einfach. Ich war ja nur ein alter, unscheinbarer Herrenhut. Ich konnte ja verstehen, dass die Menschen mich nicht haben wollten, schließlich hatte ich keinerlei hübsche Verzierungen und sah schon etwas verbeult aus, aber trotzdem machte es mich sehr traurig, und ich fing an, mich ganz klein zu machen und in einer Ecke zu verstecken, um allen anderen meinen Anblick zu ersparen. Das war der glücklichste Moment in meinem Leben. Der alte Mann setzte mich sofort auf und bewunderte mich in jeder Schaufensterscheibe, an der wir vorbeikamen. Zum ersten Mal in meinem Leben ging es mir gut. Endlich gab es jemanden, der mich mochte. Ich wurde gut behandelt, jede Woche gebürstet und stets mit viel Stolz getragen. So ging es einige Jahre bis zu jenem unglücklichen Tag, der mein ganzes Leben verändern sollte: Es war kein schöner Tag. Draußen regnete und stürmte es. Mein Besitzer saß im warmen Wohnzimmer vor dem Kamin, und ich lag gemütlich auf meinem üblichen Platz auf der Garderobe, als dem alten Mann plötzlich einfiel, dass er noch zur Apotheke musste, weil er vergessen hatte, seine Medikamente zu kaufen. Er zog also seinen Regenmantel an und holte mich von der Garderobe. Obwohl das Wetter so schlecht war, freute ich mich doch auf den unerwarteten Spaziergang, der etwas Abwechslung in meinen Alltag brachte. Wir waren schon auf dem Rückweg und ich freute mich, meinen Besitzer vor dem Regen geschützt zu haben, als mich plötzlich ein Windstoß erfasste und davonwehte. Ich flog über die Straße und landete schließlich unsanft in einer großen Pfütze. Es war furchtbar. Ich war völlig nass und schmutzig und hatte auch das letzte Bisschen Form verloren. Der alte Mann hob mich auf und brachte mich nachhause, wo er mit viel Mühe versuchte, mich sauber zu machen. Leider hatten mich Regen und Schmutz in einen so schlimmen Zustand versetzt, dass ich trotz aller Versuche mehr als unansehnlich blieb. Da mein Besitzer es nicht übers Herz brachte, mich wegzuwerfen, legte er mich in der Besenkammer auf ein Regal, wo er mich anfangs noch besuchte und mir versicherte, wie leid es ihm um mich täte. Dann aber kaufte er sich einen neuen schicken Hut, um den ihn die Leute beneideten, und vergaß mich langsam. So lag ich viele Jahre lang in der dunklen staubigen Besenkammer. Spinnen bauten ihre Netze auf mir, und ich sehnte mich nach den Zeiten, in denen mein Besitzer und ich so glücklich miteinander gewesen waren. Eines Tages begannen dann die Kinder des alten Mannes, dessen Wohnung auszuräumen, und ich erfuhr, dass er gestorben war. Als man mich fand, wurde ich mit spitzen Fingern weggeworfen. Jetzt liege ich zwischen alten Schuhen, Autoreifen und anderem Abfall auf der Mülldeponie und erzähle euch meine Geschichte ... |
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